Über Bildbearbeitung

Bildbearbeitung hat oft eher eine negative Konnotation. „Ist das Bild echt so schön, oder hast du es nur bearbeitet?“ hört man doch immer wieder. Zu unrecht, wie ich aus mehreren Gründen finde.

Bildschirmfoto 2015-02-11 um 16.50.23So gut wie jede DSLR kann Fotos in .jpg oder in RAW aufnehmen. Das RAW File enthält alle Bildinformationen, und wird von den meisten Fotografen danach bearbeitet, da es unkomprimiert ist, und so jede Menge Möglichkeiten bietet, ohne Qualitätsverluste sehr viel zu ändern.

Das .jpg hingegen ist komprimiert, und sieht oft etwas kotraststärker, und somit für viele beeindruckenderals ein unbearbeitetes RAW aus. Warum?

Richtig, weil das .jpg schon in der Kamera bearbeitet wurde, genau genommen also kein neutrales Abbild des Motivs ist. Da die meisten Handys oder Kompaktkameras jpgs schießen, sind viele Bilder schon ohne Zutun des Fotografen bearbeitet. Die Rate an komplett neutralen Fotos dürfte also sehr gering sein. Bleibt die Frage, was ist mir lieber: Dass mein Foto automatisch von der Kamera mit Algorithmen, die ich nicht selber bestimmen kann, bearbeitet wird, oder dass ich ein raw File in Ruhe nach meinen eigenen Kriterien individuell anpasse? Ich denke die Antwort ist klar.

Das war der technische Grund, aber Technik hin oder her, Fotografieren ist das Festhalten von erlebten Momenten. Und wenn ich einen Moment festhalte, will ich, dass das Foto den Moment so festhält, wie ich ihn in Erinnerung habe, und nicht so, wie er ausneutraler Sicht vielleicht wirklich war. Fotografie ist eine Art der Kunst, einem Maler unterstellt man auch nicht, dass ein Bild schlecht sei, weil es nicht zu 100% die Realität abbildet. Im Gegenteil, es lebt von den Gedanken, Erfahrungen, und Gefühlen des Malers. Ohne diese sähe jedes Bild gleich aus, wäre das nicht langweilig?

Aus diesen Gründen finde ich Bildbearbeitung völlig legitim, sogar sehr wichtig. Wenn man noch einen Schritt weitergeht, landet man bei der Bildmanipulation. Oftmals sehr kritisch gesehen (Körper schlanker machen als sie sind, etc), aber es gibt durchaus extrem kreative und inspirierende Ergebnisse, zum Beispiel einige Bilder des schwedischen, in Berlin lebenden Fotografen Erik Johansson.

Wie denkt ihr über dieses Thema? Müssen eure Bilder out of Cam sein, oder werden sie erst durch die richtige Bearbeitung besonders?

2 thoughts on “Über Bildbearbeitung

  1. Hallo Alex,
    ein sehr interessanter Post!
    Ich fotografiere selber auch, und habe (zwangsweise) oft und viel über das Thema Bildbearbeitung nachgedacht.
    Ich persönlich finde Nachbearbeitung sehr wichtig! Nicht, weil ich meine unbearbeiteten Bilder nicht gut finde und das vertuschen will, sondern weil ich so einfach noch viel mehr aus meinen Bildern rausholen kann!
    Und Nein, nicht um Bilder extrem zu verändern, zu „verfälschen“. Das kann zwar, wie du auch gesagt hast, auch sehr interessant sein, ist aber nicht meines.
    Aber den Kontrast anzupassen, oder kleine Unregelmäßigkeiten zu retuschieren – was ist daran verwerflich? Natürlichkeit ist für mich aber immer noch unfassbar wichtig!

    Übrigens hast du ein sehr tolles Blog-Design!

    Alles Liebe,
    Annika von annywhere

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